Die Betreuung eines Babys ist eine zeitintensive Verantwortung, bei dem man vor allem als Mutter oft über seine Grenzen geht. Rückwirkend kann ich über das Wort “MutterschaftsURLAUB” nur noch müde lächeln bzw. fassungslos den Kopf schütteln. Von Urlaub kann da wohl niemand ernsthaft reden. Elternschaft und das Muttersein übersteigt den Rahmen bloßer “Arbeit” und erfordert höchste Hingabe, vor allem seitens der Mutter. Babys sind vollständig auf ihre Bezugspersonen angewiesen, und ihre Pflege erfordert ein intensives körperliches Engagement. Die Gewährleistung ausreichenden Schlafs, Hygiene und Ernährung für das Baby und auch für sich selbst kann vor allem im ersten Jahr einen ganzen Tag an intensiver Arbeit und mentaler und körperlicher Leistung bedeuten, vor allem wenn man sein Baby stillt. Diese Realität mag für eine Generation, die ihren Selbstwert mit greifbaren (beruflichen) Leistungen oder (monetärer) Anerkennung gleichsetzt, schwer zu erfassen sein. Zumindest war es das für mich. Die Betreuung eines Babys beinhaltet unsichtbare, oftmals auch einsame Arbeit, die nur vom Baby und idealerweise vom Partner wahrgenommen und geschätzt wird. Es ist eine stille Bemühung, die im privaten Rahmen des eigenen Zuhauses stattfindet, und diese Einsamkeit anzunehmen ist wichtig. Zu verstehen, dass all die “unsichtbaren” Bemühungen vorerst ausreichen, ist entscheidend, denn das tun sie tatsächlich.
Babys gedeihen “artgerecht” unter der konsequenten und aufmerksamen Betreuung einer Hauptbezugsperson, vorzugsweise der Mutter. Anstatt Säuglinge den Zeitplänen von Erwachsenen anzupassen, die oft mit ihren Bedürfnissen unvereinbar sind, erfordert eine ganzheitliche Kindererziehung eine bedeutende Verschiebung der elterlichen Prioritäten. Das wurde mir spätestens klar, als ich ca. ein Jahr nach der Geburt kurz vor dem Ende der Elternzeit stand und wieder zurück in den Beruf und unser Sohn in den Kinderkrippe im Ort gehen sollte. Plötzlich stand ich vor der Entscheidung: Elternzeit verlängern und versuchen Teilzeit in meinem alten Beruf zu arbeiten oder den Weg zu gehen, welcher vom Großteil der Eltern beschritten wird. Es fühlte sich einfach falsch an unser Kind fremden Menschen anzuvertrauen, die nur in einem “Dienstverhältnis” zu dem eigenen Kind stehen werden.
Erica Komisar, eine angesehene Expertin für frühkindliche Entwicklung, sowie Sabine Mänken, Volkswirtin und Herausgeberin von der Buchreihe “Mütter der neuen Zeit” und viele weitere Experten, wie bspw. Facharzt für psychotherapeutische Medizin Serge Sulz, Kindertherapeutin Eva Rass, Hirnforscher Gerald Hüther, Historiker und Kindheitsforscher Michael Hüter und viele Weitere betonen die Bedeutung von Attachment Parenting, einer einfühlsamen Betreuung für Babies und Kinder. Ihre Recherche, Forschung & Ansätze erkennen an, welch eine hohe Bedeutung Mutterschaft und die intensive Betreuung von Babies und Kindern erfordert, sodass Mütter durch den Schutz der Gesellschaft ihren Kindern volle Aufmerksamkeit widmen können sollten. Leider wird jedoch der gesündere Weg für Eltern und Kindern nicht gefördert, sondern im Gegenteil sogar oft gesellschaftlich geächtet und kommt mit finanziellen Einbußen daher. Dabei sind es mittlerweile immer mehr Mütter, die ihre bedeutende und unersetzliche Rolle erkannt haben und die bereit und mutig genug sind ihre Lebensweise drastisch anpassen und oftmals ihre Karrieren für eine Zeit auf Eis zu legen.
Für viele Paare überwiegen jedoch die finanziellen Vorteile eines zweiten Einkommens die damit verbundenen Kosten und Opfer. Nach Berücksichtigung der Kinderbetreuungskosten, Steuern, arbeitsbezogenen Ausgaben und der Lebenshaltungskosten erweist sich der Nettogewinn aus einem zweiten Einkommen oft als unzureichend. Zusätzlich führt die emotionale Belastung durch die Vereinbarkeit von Vollzeitarbeit mit Kinderbetreuung zu Stress und Konflikten innerhalb der Familie. Daher sind für die meisten Paare die Kompromisse im Zusammenhang mit einem zweiten Einkommen nicht lohnenswert.
Das angeborene Bedürfnis, eine Bindung zu Ihrem Baby aufzubauen, ist genauso stark wie das Bedürfnis des Babys nach elterlicher Anwesenheit. Es ist ein Gefühl, das in gesellschaftlichen Diskursen oft übersehen wird. Kein Baby oder Kind kommt ohne Beeinflussung von Außen auf die Idee in die Krippe oder den Kindergarten gehen zu wollen. Im Gegensatz zu gesellschaftlichen Normen, die die Trennung zwischen Müttern und Babys normalisieren, empfinden viele Mütter tiefe Qualen, wenn sie sich von ihren Babys zur Kinderbetreuung trennen müssen. Anstatt diese Emotionen zu ignorieren, ist es entscheidend, sie als natürliche Reaktion anzuerkennen und nach Lösungen zu suchen. Sie signalisieren nicht nur die Abhängigkeit des Babys von der Mutter, sondern auch das intrinsische Bedürfnis der Mutter nach der Gesellschaft ihres Kindes und ihres Instinktes für ihr(e) Kind(er) selbst zu sorgen. Das Unterdrücken dieser Gefühle führt nur zu verstärkter Schuld und Unbehagen. Auf diese Signale zu hören und einfühlsam darauf zu reagieren, ist entscheidend für die Förderung einer starken Eltern-Kind-Bindung.

